Cannabis ist die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Drogen (vgl. ARM 2000 S. 86). Die in Deutschland häufigste Konsumform ist Rauchen (Kiffen), meist in Verbindung mit Tabak. Neben dem Rauchen ist auch die orale Einnahme von Cannabis möglich. Während der Rauschwirkung werden die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit vermindert (vgl. HURRELMANN/ BRÜNDEL 1997 S. 182). Unter akuter Cannabiswirkung kommt es zu Unterbrechungen im Denken und bruchstückhaftem Denkverlauf (vgl. STICH/KAFERSTEIN 1998 S. 2). DALTRAUP und MEINIGER unterscheiden drei Phasen des Rauschverlaufs, nach denen unterschiedliche Auswirkungen auf die Fahrweise, Verhalten und Erscheinungsbild des Konsumenten beobachtet werden. Die Akute Rausch-Phase beginnt kurz nach dem Konsum, ihre Dauer ist abhängig von der Konsummenge. Als typische Zeichen der Fahruntüchtigkeit werden beobachtet: Grundloser Geschwindigkeitswechsel, niedrige Geschwindigkeit, Schwierigkeiten beim Spurhalten, plötzliche Lenkkorrekturen, Ablenkbarkeit und Konzentrations-schwäche. Rauschbedingte Ausfälle führen häufig zu inadäquaten Reaktionen auf unerwartete Ereignisse, wie „Übersehen“ roter Ampeln oder Fußgänger, die die Straße überqueren. Auf Anhaltezeichen der Polizei wird nicht sofort reagiert. Bei anschließenden Kontrollen sind typische (Verhaltens)Auffälligkeiten festzustellen: Schleppender Gang, undeutliche (verwaschene) Sprache, der Konsument wirkt verlangsamt und begriffsstutzig. Die Augen der Personen sind häufig gerötet, der Blick wirkt glasig und die Pupillen sind weit geöffnet und lichtträge (vgl. DALDRUP/MEINIGER 1998 S. 189). An die akute Phase schießt die subakute Phase an. Die Trägheit der akuten Phase ist vorbei, es besteht ausgelassene, euphorische Stimmung (Wohlbefinden). Die Kritikfähigkeit ist herabgesetzt. In der Folge kommt es zu Überschätzungen der eigenen Leistungsfähigkeit. Anzeichen einer Fahrunfähigkeit können sein: Riskante Fahrweise mit überhöhter Geschwindigkeit, Vorfahrtmissachtung, nicht selten Unfallflucht (vgl. ebd.). Die folgende postakute Phase begründet sich darin, dass es 12 bis 24 Stunden dauert, bis der Cannabiskonsument das Gefühl hat, wieder völlig „klar im Kopf zu sein“. In dieser Phase treten beim Konsumenten Konzentrationsschwächen auf, die zu Fahrfehlern führen können. Eine Besonderheit besteht in der Möglichkeit des Auftretens von flash-back-Erlebnissen (Nach- oder Echorausch) sowie des Umschlagens „positiv“ gefärbter Cannabisräusche in atypische „negative“ Rauschzustände (vgl. KATZUNG 1994 S. 41). Bei atypischen Rauschverlauf kommt es zu niedergedrückter Stimmung, motorischer und innerer Unruhe, Panik, Desorientiertheit, Verwirrung bis hin zu Wahnerlebnissen (vgl. TÄSCHNER/STOSBERG/TOSSMANN/KLEINER/WIESBECK 1994- in STICH/KÄFERSTEIN 1998 S. 3). Die durch Cannabis hervorgerufenen Wahrnehmungsbeeinträchtigungen sowie die beeinflusste Konzentrationsfähigkeit führen in Stress-Situationen und Situationen mit erhöhter Informationsdichte zu verlängerter Reaktionszeit. Es kommt zu einer Häufung falscher, inadäquater Reaktionen und zu Störungen routinierter Automatismen, die ein sicheres Führen motorisierter Fahrzeuge beeinträchtigen (vgl. ITEN 1994 S. 100). Literatur: Arm, H.: Rauschgiftlage 1999. In: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) (Hrsg.). Jahrbuch Sucht. Geesthacht. 2000 Daldrup, Th.; Meiniger, I.: Begutachtung der Fahrtüchtigkeit unter Cannabis im Strafverfahren. In: Berghaus, G.; Krüger, H.-P. (Hrsg.): Cannabis im Straßenverkehr. Stuttgart, Jena, Lübeck, Ulm. 1998 Hurrelmann, K.; Bründel, H.: Drogengebrauch - Drogenmissbrauch. Darmstadt. 1997 Iten, p. X.: Fahren unter Drogen- und Medikamenteneinfluss - Forensische Interpretation und Begutachtung. Zürich. Institut für Rechtsmedizin. 1994 Katzung, W.: Drogen in Stichworten: Daten, Begriffe, Substanzen. Landsberg. 1994 Stich, G.; Käferstein, H.: Grundbegriffe, Toxikokinetik, Toxikodynamik. In: Berghaus, G.; Krüger, H.-P. (Hrsg.): Cannabis im Straßenverkehr. Stuttgart, Jena, Lübeck, Ulm. 1998 |